Professoren auf dem Prüfstand

Professorenbewertung

Welcher Student träumt nicht davon, hohe Durchfallquoten in Klausuren, schlechte Tutorien und unfaire Übungsaufgaben einmal in einer anonymen Umfrage Revue passieren zu lassen? Zweifelsohne wollen auch vorbildliche Kandidaten ihre Professoren bewerten, die sich lieber gern an die gelungene Vorlesung und die unterhaltsame Didaktik erinnern. So wird deutlich, dass jede Veranstaltung bei der Studentenschaft unterschiedlich ankommt. Auch die Lehre, so scheint es, ist eben Geschmackssache.

Wie ein Professor wahrgenommen wird, hängt oft von seinem Verhältnis zum Immatrikulierten ab. Vorlesungen stellen für viele Forscher schließlich nur die Spitze des Eisbergs dar, der sie sich im Rahmen ihrer Universitätsarbeit zwangsläufig widmen müssen. Im persönlichen Gespräch entpuppt sich die vermeintliche Lehrkraft dann als Mensch, im Labor kann sie plötzlich mit Rat und Tat zur Seite stehen und Sachverhalte anschaulich erläutern. Dieser Umstand zeigt, dass der anonyme Charakter einer Universität leicht für Missverständnisse und Vorurteile sorgen kann, denen man im Studium üblicherweise erst mit der Zeit auf den Zahn fühlt.

Wenn Studenten ihre jeweiligen Professoren bewerten, behalten sie gesammelte Erfahrungen im Hinterkopf. Bewertungen von Veranstaltungen in den ersten Semestern fallen deshalb nicht selten besonders fatal aus. Gerade an der Universität eingetroffen, wird man als Neuling schon mit der Bürokratie und den Eigenheiten der jeweiligen Institution bombardiert. Dass die Realität nicht ganz so wild aussieht und Ansprechpartner für Belange verschiedenster Art zur Verfügung stehen, fällt einfach unter den Tisch.

Am Ende des Studiums geht es jedoch ans Eingemachte: Wer sein Studienziel bereits erfolgreich gemeistert hat, kann in der Regel ein aussagekräftiges Urteil über Professoren, Veranstaltungen und bürokratische Hürden fällen. Muss man dann feststellen, dass Absolventen eher weniger begeistert ihre Professoren bewerten und gar ein schlechtes Zeugnis ausstellen, sollte auch im Vorstand der Fakultät über das unerfreuliche Fazit nachgedacht werden. Mit den Anregungen der Studenten ist es schließlich wie mit der Kritik auf Seiten des Professors: Jede Rüge soll letztendlich als Motivation zur Verbesserung dienen.

Solche Bewertungen sind immer subjektiv. Die wenigsten schaffen oder versuchen überhaupt eine Bewertung objektiv anzugehen. Ein Gefühl ungerecht behandelt worden zu sein, setzt nicht voraus dass man auch ungerecht behandelt wurde. Allerdings sollen solche Bewertungen ja nicht nur zum Vergnügen der Studenten dienen. Es kann auch für die Professoren eine Möglichkeit bieten, sich selbst besser einschätzen zu können und gegebenenfalls auch sein eigenes Handeln einmal zu überdenken und vielleicht sogar zu verbessern. Dazu gehört allerdings auch der Wunsch und der Wille besser zu werden. Urkunden sind immer ein Beweis für gute Leistungen. Wäre es nicht eine gelungene Alternative, mit Urkunden den Professoren und Lehrbeauftragten auch einmal etwas Gutes zu tun. Oder den Lehrkräften die Möglichkeit zu bieten, sich etwas besser zu fühlen und das dann auch weiterhin umsetzen zu wollen. Ständige negative Kritik ist nicht sonderlich konstruktiv.